Mittwoch, 18. August 2010
Struktur der Farruca
Vor kurzem habe ich einem Flamenco-Neuling erklärt, wie die Struktur einer Farruca ist. Dabei wurde mir klar, dass ich mit der Zeit Vieles intuitiv gelernt habe, es aber nicht für nötig weil selbstverständlich hielt, es aufzuschreiben.

Ich habe mich musiktheoretisch noch nicht mit der Farruca beschäftigt, aber mit der „traditionellen Struktur“. Es ist ein „Macho-Tanz“, bei dem der Tänzer viel Fußarbeit macht und das Tempo dabei erhöht. Alle paar Takte macht man eine sog. Llamada, die über mehrere Takte geht und vom Gitarristen mit einem ganz typischen Melodiebogen begleitet wird. Es gibt sehr viele Arten von Llamadas, die man so exakt tanzen muss, so dass der Gitarrist das erkennt und korrekt begleitet.

Eine Llamada ist somit ein Ende eines „Abschnitts“ und gleichzeitig ein neuer Anfang. Der Gitarrist macht eigentlich nichts, außer dass er folgt, es sei denn, er spielt nach einer Llamada eine Falseta, ein sehr leises und zartes Spiel. In dem Fall muss ich improvisieren und seine Musik interpretieren. Wenn der Sänger hinzukommt (was bei der Farruca die Ausnahme ist), muss ich ähnlich tanzen wie bei einer Falseta, also darf den Gesang nicht „überstampfen“. Die Ausnahme sind Remates, kurze Verschnaufpausen des Sängers, wo ich dem Gesang lautstark „antworte“. Flamenco ist also immer eine Kommunikation zwischen allen Beteiligten, und die Schwierigkeit ist, dass es sehr frei ist: Vielleicht singt der Sänger die Strophe länger oder kurzer oder bringt eine mehr erwartet.

Das Gute bei der Farruca ist, dass ich im Prinzip tanzen kann, was ich will. Damit der Gitarrist folgen kann, muss ich für Tempisteigerungen ganz spezielle Schritte wählen, die sehr vorhersehbar sind – sog. Subida. Wenn ich nicht mehr weiter steigern kann, muss ich einen Cierre – also einen Abschluss tanzen, und dann das Tempo halten, bis ich früher oder später mit einer Llamada ende.

Die Struktur ist deswegen so wichtig, weil sich sonst die Personen auf der Bühne nicht verstehen. Es ist also keine durchchoreographierte Show, sondern es entsteht beim Tanzen. Ein Meister der Farruca war Antionio Gades, der sie auf http://www.youtube.com/watch?v=8_sWifNf_1s sehr traditionell (und etwas altmodisch) tanzt. In dem Video redet er die erste Minute, von 1:33-1:43 tanzt er gleich 2 Llamadas hintereinander, dann noch eine von 2:09 bis 2:12, 2:53 bis 2:58 usw. Alle Elemente kann man sehr gut erkennen.

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