Montag, 16. August 2010
Fin de Fiesta beim Flamencosommer
Es war kaum zu glauben, aber das Abschlusskonzert war ein Knaller – alle Künstlerinnen und Künstler konnten ihre Leistung weiter steigern.

Bella „La Paloma“ tanzte einen Tientos/Tangos auf ihre spezielle Weise. Es folgte dann Zorongo – einem Gedicht von Garcia Lorca im Solea por Bulerias-Palos - den Fernando Galan auf den Workshops unterrichtete.

Antonio „El Portugues“ tanzte eine Farruca und baute dort viele Schritte aus der Garotin ein, die er zuvor unterrichtete. Mir ist das schon aufgefallen, und so wollte ich ja ebenso eine Llamada „recyclen“. Aber Antonio übernahm zusätzlich eine Remates, die Subida usw. Die Farruca hat mich begeistert – Antonio tanzte sie in seinem Stil, also schon elegant, und überzeugte das Publikum mit seiner Interpretation. Auch ich war hingerissen, zumal ich die Farruca liebe.

Im zweiten Teil tanzten Bella, Antonio und Fernando zu dritt eine Alegrias / Bulerias. Die Choreographie war witzig, frech und sehr originell. Fernando nahm sich hier zurück: Der König der Alegrias (http://flamenco.blogger.de/stories/1679204/) ist hier ein absoluter Crack, wollte meiner Ansicht die Newcomer Bella und Antonio nicht dominieren. Wenn man die drei nebeneinander tanzen sieht, dann sieht man, wie begabt Bella und Antonio sind, aber es fehlt ihnen die Erfahrung verglichen mit dem absoluten Profi Fernando Galan, der mit dem Publikum „spielen“ kann.

Am Ende zeigte er mit der Siguiriyas, was er kann. Ich will hier nicht auf die tänzerische Brillianz eingehen und das wahnsinnige Tempo, das er an den Tag legte. Es war das erste mal, dass es mich der Tanz und die Musik fast vom Stuhl riss. Langsam begreife ich, was die Spanier mit Duende meinen: http://en.wikipedia.org/wiki/Duende_%28art%29 . Man ist ergriffen, würde am liebsten mitsingen. Alle Aufmerksamkeit richtet sich nur auf das Geschehen auf der Bühne, man ist ergriffen, gleichzeitig ergreift die Musik die Körper und man rutscht unruhig auf dem Stuhl und würde am liebsten aufstehen und den Compas interpretieren.

Mein Fazit ist, dass diese Flamencosommer ein Hit war. Zum ersten Mal halfen sehr viele Vereinsmitglieder und alle waren stolz auf das Ergebnis. Der Flamencosommer ist eine sehr familiäre Veranstaltung, bei dem man die Künstler auch bei einem Bier oder am Lagerfeuer kennenlernen kann. Vieles entsteht spontan und wird improvisiert, was ich viel besser finde als die großen, perfekt durchchoreographierten Flamenco-Supershows, die man sonst in Deutschland sieht. Diese sind zwar perfekt, berühren mich aber nicht emotional.

Antonio, der in Berlin sein eigenes Studio eröffnet, hatte ein tolles Debüt in Raum Rhein/Main. Er ist sympathisch, nimmt sich auch viel Zeit für die Fragen der Anfänger. Seine Körpertechnik ist eindrucksvoll und ich bin schon gespannt, wie er sich tänzerisch entwickeln wird. In diesem Sinne kann ich ihn und allen Beteiligten nur gratulieren!

P.S.: Ich weiß, dass ich mich bei dem Bericht immer auf die Tänzerinnen und Tänzer beschränke. Das Konzert begann mit einem Duett: Mariano Martín spielte Gitarre und David Huertas Bravo begleitete ihn auf dem Cajon. Und auch Frank Ihle spielte begeisterte durch sein Solo und seine Tanzbegleitung. Manuel Soto war wie immer eine Sympathiefigur, und es ist toll zu sehen, wie er jedes Jahr besser wird.

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