Sonntag, 15. August 2010
Keine Nubbelbrennung
Ich überlegte lange, was ich von der Garrotin halten sollte. Antonio sagte es so treffend: Wenn man ein Accessoire hat, dann muss man ihm eine Bedeutung verleihen, und das fällt mir schwer.

Zuerst wollte ich den Hut nach dem Kurs in einem wütenden Zapateado zerstampfen. Dann habe ich beschlossen, ihn stolz zu behalten und zu präsentieren wie der Held eines amerikanischen Action-Films, der die Narbe von einem Kampf mit einem erlegten Alligator stolz präsentiert. Aber verliere ich den Hass auf den Hut - aber es wird mein erster und letzter Tanz mit Hut sein.

Für die Nicht-Rheinländer muss ich noch mal erkären, was ein Nubbel ist: Ein Nubbel ist ein Sündenbock, den man nach den tollen Tagen verbrennt: http://de.wikipedia.org/wiki/Nubbel

Dennoch hat der Kurs viel gebracht. Es ist immer ein gutes Training für die Aufnahmefähigkeit und ich habe eine tolle Abschlussllamada, die ich für die Farruca benutzen werde. Man reißt das Knie hoch und macht dem Standbein einen Tacon und rutscht nach vorne. Dasselbe macht man mit dem anderen Bein und schließt dann ab.

Auch der Übergang zum Tangos hat mir gut gefallen und mich inspiriert. Und ich bekam die Gelegenheit, noch mal über das Thema „Wie tanzt ein Mann“ nachzudenken: http://flamenco.blogger.de/stories/1679608/ Antonio tanzt in seinem Kurs oft die Bewegungen der Frauen, aber auf der Bühne hat er einen anderen Stil: Sehr elegant, aber maskulin, was man oft an den gestreckten Fingern und auch den gestreckten Beinen beim Markieren sieht. Gestern bei der „Noche de Guitarra“ habe ich über das Thema „Wie tanz der Mann“ diskutiert und meiner Ansicht sind auch die fortgeschrittensten Schülerinnen oft blind beim diesem Thema. Sie sind oft fixiert auf die tiefen Kniebewegungen. Natürlich arbeitet man beim Flamenco immer etwas in den Knien, weil man damit beweglicher ist und auch verhindert, dass der Kopf sich vertikal bewegt statt auf einer Ebene zu bleiben. Bei den Frauen ist das extrem, weil man damit weiche Hüft- und Körperbewegungen hinbekommt. Beim Mann sieht das in den meisten Tänzen tuntig aus und wirkt bei Männern fast nur beim frivolen Tangos.

Ich werde die Damen mal darauf ansprechen beim heutigen Abschlusskonzert im Frankfurter Hof. Wenn ich Recht habe, dann ist es so, dass meine These richtig ist: Viele fortgeschrittene Schülerinnen haben für männlichen Tanzästhetik wenig Verständnis. Und weil die Lehrer auch oft nur Frauenbewegungen tanzen, um es den Frauen einfach zu machen, erlernen sie das auch nicht.

... comment