Sonntag, 29. August 2010
Ende und Neuanfang
Seit einigen Jahren habe ich auf der Antville-Plattform gebloggt. Nun habe ich beschlossen, auf Wordpress weiter zu machen: http://diarioflamenco.wordpress.com/

Was waren die Gründe? Antville hat in letzter Zeit kaum technische Neuerungen durchgemacht. Verglichen mit Wordpress ist es schnell, aber es fehlen viele Komfortfunktionen, Verbindungen zu sozialen Plattformen, In- und Exportfunktionen, Apps für andere Clients usw.

Ich habe die letzten zwei Tage begonnen, den neuen Blog einzurichten und habe auch einige (aber nicht alle) Beiträge aus diesem Blog übernommen. Das hat mir viel Spaß gemacht, weil ich nachvollziehen konnte, wie sich meine Sichtweise in bezug auf den Flamenco entwickelt hat. Ebenso musste ich an die vielen schönen Episoden und Vorkommnisse der letzten Jahre zurückdenken.

Ich würde mich freuen, wenn mir einige Leserinnen und Leser auf die neue Plattform folgen werden.

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Samstag, 28. August 2010
Lange Nacht in Darmstadt
Gestern verbrachte ich den Abend in Darmstadt, um mir einen Auftritt der Tanzwerkstatt von ElviraMaria, Simone und Gudrun anzugucken. Es war kalt, nass und der Platz war groß und unpersönlich und gefiel mir mit seinem 70er Jahre Retro-Stil nicht. Die Leistung das Veranstalters war nicht gut: Das Programm begann mit Verspätung, man hätte beim Aufbau auch etwas spanische Musik spielen können. Zudem gab wurden die Tänzer und Musiker (mit John und Frank hochklassig vertreten – sowie Tanja als Sängerin) als „Tanzgruppe Darmstadt“ vorgestellt. Aber am meisten hat mich gestört, dass es kein Mikrofon für den Boden gab, so dass man den Zapateado nicht hören könnte – wodurch der Flamenco einen großen Teil seiner Faszination verliert.

Tänzerisch gefiel es mir gut, obwohl ich nicht alles sehen konnte, denn ich wollte nicht im leichten Regen stehen und meine Gesundheit schonen. Ich sah eine Farruca, Bamebera und eine Algeria. Fazit: Die Leistung des Veranstalters war nicht gut. Mich würde interesssieren, ob man durch ein Mikrofon am Boden den Zapateado besser übertragen kann oder ob man für diese Zwecke einen Tanzboden benötigt.

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Freitag, 27. August 2010
Lorca
Das Eindrucksvolle an Flamenco ist die Vielfalt dieser Kunstform. Wir kennen Gesang, Tanz und Musik – aber wirklich erstaunlich ist, wie sich die Kunstform und Kultur durchdringen und gegenseitig inspirieren. Ein gutes Beispiel ist das Werk Garcia Lorcas, der ein großer Verehrer uns Flamenco war – und dessen Gedichte selber Teil des Cante Jondo wurden.

Lorca war ein genialer Dichter, der 1936 von den Francisten umgebracht wurden, die ihn hassten. Er war links, prangerte soziale Missstände an, verbeugte sich nicht vor Generälen und Bischöfen – und er war schwul. Im Spanien der damaligen Zeit hieß das Verstecken, und so verbrannten seine Freune und Familie seine Briefe, so dass fast nichts über sein Privatleben erhalten blieb. Biographien über sein leben gibt es viele, auch im Netz findet man interessante Berichte wie z.B. http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/08/12/a0233 und http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-65089133.html .Teile seines Werks sind auch online erhältlich z.B. unter http://federicogarcialorca.net/ .

Im Rahmen von http://www.wiesbaden-tanzt.com/ veranstaltet Peña Buleria am 17.9. eine getanzte Lesung. Ich bin gespannt.

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Donnerstag, 26. August 2010
Rückenschmerzen
Zuerst war ich verzweifelt, denn aufgrund von Rückenschmerzen konnte ich nicht tanzen. Dennoch war ich im Bailando und Frank ermutigte mich, die Tänzerinnen mit Palmas zu begleiten. In dieser Woche habe ich sehr viel gelernt, vielleicht mehr, als ob ich getanzt hätte.

Zum einen habe ich Caña begleitet, ein wirklich sehr interesanter Palos, mit dem ich mich noch beschäftigen werde. Später begleitete ich den Tientos, den ich sonst tanze und zum ersten Mal ist mit der besondere Rhythmus aufgefallen: 1, 2, und, 3, 4. Wenn man darauf achtet, betont die Gitarre genau diese 5 Schläge, was mir vorher überhaupt nicht auffiel.

Noch interessanter war es, dass ich lernte, wie schwierig die Palmas-Begleitung ist, wenn die Tänzerinnen nicht exakt, also im Takt, tanzen. Heute begleitete ich den Tango de Malaga und lernte, wie schwierig ist, wenn es keine korrekten Cierres gibt – in einem solchen Fall ist es kaum möglich zu erkennen, wenn ein Fußteil endet.

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Sonntag, 22. August 2010
Flamenco auf dem IPhone
Das ist ein trauriges Thema. Ich habe mir zwei Apps gekauft:
  • http://itunes.apple.com/ve/app/flamencotube-flamenco-video/id331470957?mt=8
  • http://www.3gapps.de/sevillanas
Die erste App ist eine Frechheit. Es handelt sich hier um einen Auszug von Youtube-Videos, die weder gut sind und auch nicht aktualisert werden. Offenbar gibt es diese App auch für andere Themen wie z.B. Pornographie, was auch das Theme im "Flamenco"-Chat ist.

Die Sevillanas-App ist besser, enttäuscht dennoch: Viel taugt sie nicht.

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Samstag, 21. August 2010
Auftritt in Mainz
Heute war Auftritt der Tanzschule Bailando bei den Agenda 21-Tagen in Mainz: http://mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/sgrh-7beehr.de.html

Der Gutenbergplatz vor dem Theater war in gleißendes Licht gehüllt und die Fortgeschrittenengruppe tanzte, während Frank Ihle mit der Gitarre begleitete. Hier ein Schnappschuss von einigen Tänzerinnen.



Die Tänzerinnen trugen aufwendige Kostüme und zeigten einen Tanz mit Baston, eine Garrotín und Sevillanas, während Nicole Mahr eine Guajira präsentierte.

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Trainingsplan
Ich habe mir einen Trainingsplan zurechtgelegt, den ich zu absolvieren versuche. Es besteht aus Bulerias, Farrucas und Tangos. Ich habe nun so viel Material, dass ich mir in all diesen Tänzen etwas basteln kann. Bei der Farruca ist es im Moment das Markieren und die Escobillia, gleichzeitig will ich Material von ElviraMaria einbauen.

Bei der Buleria übe ich die Rhythmussicherheit sowie einige einfache Elemente. Beim Tangos gibt es eine kleine Zusammenfassung, die ich weiter unten bringe.

Ebenso möchte ich die Siguiriya weiter üben und mich ebenso mit dem Thema Tango de Malaga beschäftigen.

Hier einige Notizen zum Tangos:
  • Links Golpe, Klatschen.- das ganze wiederholen bis zum Cierre.
  • Dann mit Golpe und Kick weitergehen, dabei Arme heben, Schnipsen etc., ca. 4 mal
  • Dann 4 mal seitwärts kreuzen, dabei das Bein schleifen lassen, beim Wechseln mit Golpe abschließen.
  • Dann mit 2 Golpes abschließen und ein Hüpfer nach hinten.
  • Dann 3x Seitwärtsschritt und markieren, mit Golpe abschließen (das 4x hin und zurück)
  • Mit einer Pause („Y!“) zwei Golpe mit einem Bein vor (Cierre)
  • Dann 6x die folgende Kombination: (rechten Fuß gestreckt nach vorne, Pause ...), dabei drehen, rechten Arm nach oben und wieder unten und dann beim letzten Mal sofort nach hinten hüpfen
  • Dann 3x seitwärts kreuzen (beide Schultern müssen zu sehen sein), dann Spot-Turn – dann dasselbe auf der anderen Seite.
  • Dann einen Kreis gehen im Schritt wie am Anfang und nach hinten hüpfen.
  • Es kommt der Abgesang, bei dem man in Richtung Ausgang geht – am besten auf Plantas bei jedem zweiten Schlag, dabei Schnipsen.
  • Am Ende Rauslaufen, warten („Y!“) Abschlusspose mit 2 Golpe.

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Mittwoch, 18. August 2010
Struktur der Farruca
Vor kurzem habe ich einem Flamenco-Neuling erklärt, wie die Struktur einer Farruca ist. Dabei wurde mir klar, dass ich mit der Zeit Vieles intuitiv gelernt habe, es aber nicht für nötig weil selbstverständlich hielt, es aufzuschreiben.

Ich habe mich musiktheoretisch noch nicht mit der Farruca beschäftigt, aber mit der „traditionellen Struktur“. Es ist ein „Macho-Tanz“, bei dem der Tänzer viel Fußarbeit macht und das Tempo dabei erhöht. Alle paar Takte macht man eine sog. Llamada, die über mehrere Takte geht und vom Gitarristen mit einem ganz typischen Melodiebogen begleitet wird. Es gibt sehr viele Arten von Llamadas, die man so exakt tanzen muss, so dass der Gitarrist das erkennt und korrekt begleitet.

Eine Llamada ist somit ein Ende eines „Abschnitts“ und gleichzeitig ein neuer Anfang. Der Gitarrist macht eigentlich nichts, außer dass er folgt, es sei denn, er spielt nach einer Llamada eine Falseta, ein sehr leises und zartes Spiel. In dem Fall muss ich improvisieren und seine Musik interpretieren. Wenn der Sänger hinzukommt (was bei der Farruca die Ausnahme ist), muss ich ähnlich tanzen wie bei einer Falseta, also darf den Gesang nicht „überstampfen“. Die Ausnahme sind Remates, kurze Verschnaufpausen des Sängers, wo ich dem Gesang lautstark „antworte“. Flamenco ist also immer eine Kommunikation zwischen allen Beteiligten, und die Schwierigkeit ist, dass es sehr frei ist: Vielleicht singt der Sänger die Strophe länger oder kurzer oder bringt eine mehr erwartet.

Das Gute bei der Farruca ist, dass ich im Prinzip tanzen kann, was ich will. Damit der Gitarrist folgen kann, muss ich für Tempisteigerungen ganz spezielle Schritte wählen, die sehr vorhersehbar sind – sog. Subida. Wenn ich nicht mehr weiter steigern kann, muss ich einen Cierre – also einen Abschluss tanzen, und dann das Tempo halten, bis ich früher oder später mit einer Llamada ende.

Die Struktur ist deswegen so wichtig, weil sich sonst die Personen auf der Bühne nicht verstehen. Es ist also keine durchchoreographierte Show, sondern es entsteht beim Tanzen. Ein Meister der Farruca war Antionio Gades, der sie auf http://www.youtube.com/watch?v=8_sWifNf_1s sehr traditionell (und etwas altmodisch) tanzt. In dem Video redet er die erste Minute, von 1:33-1:43 tanzt er gleich 2 Llamadas hintereinander, dann noch eine von 2:09 bis 2:12, 2:53 bis 2:58 usw. Alle Elemente kann man sehr gut erkennen.

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Montag, 16. August 2010
Fin de Fiesta beim Flamencosommer
Es war kaum zu glauben, aber das Abschlusskonzert war ein Knaller – alle Künstlerinnen und Künstler konnten ihre Leistung weiter steigern.

Bella „La Paloma“ tanzte einen Tientos/Tangos auf ihre spezielle Weise. Es folgte dann Zorongo – einem Gedicht von Garcia Lorca im Solea por Bulerias-Palos - den Fernando Galan auf den Workshops unterrichtete.

Antonio „El Portugues“ tanzte eine Farruca und baute dort viele Schritte aus der Garotin ein, die er zuvor unterrichtete. Mir ist das schon aufgefallen, und so wollte ich ja ebenso eine Llamada „recyclen“. Aber Antonio übernahm zusätzlich eine Remates, die Subida usw. Die Farruca hat mich begeistert – Antonio tanzte sie in seinem Stil, also schon elegant, und überzeugte das Publikum mit seiner Interpretation. Auch ich war hingerissen, zumal ich die Farruca liebe.

Im zweiten Teil tanzten Bella, Antonio und Fernando zu dritt eine Alegrias / Bulerias. Die Choreographie war witzig, frech und sehr originell. Fernando nahm sich hier zurück: Der König der Alegrias (http://flamenco.blogger.de/stories/1679204/) ist hier ein absoluter Crack, wollte meiner Ansicht die Newcomer Bella und Antonio nicht dominieren. Wenn man die drei nebeneinander tanzen sieht, dann sieht man, wie begabt Bella und Antonio sind, aber es fehlt ihnen die Erfahrung verglichen mit dem absoluten Profi Fernando Galan, der mit dem Publikum „spielen“ kann.

Am Ende zeigte er mit der Siguiriyas, was er kann. Ich will hier nicht auf die tänzerische Brillianz eingehen und das wahnsinnige Tempo, das er an den Tag legte. Es war das erste mal, dass es mich der Tanz und die Musik fast vom Stuhl riss. Langsam begreife ich, was die Spanier mit Duende meinen: http://en.wikipedia.org/wiki/Duende_%28art%29 . Man ist ergriffen, würde am liebsten mitsingen. Alle Aufmerksamkeit richtet sich nur auf das Geschehen auf der Bühne, man ist ergriffen, gleichzeitig ergreift die Musik die Körper und man rutscht unruhig auf dem Stuhl und würde am liebsten aufstehen und den Compas interpretieren.

Mein Fazit ist, dass diese Flamencosommer ein Hit war. Zum ersten Mal halfen sehr viele Vereinsmitglieder und alle waren stolz auf das Ergebnis. Der Flamencosommer ist eine sehr familiäre Veranstaltung, bei dem man die Künstler auch bei einem Bier oder am Lagerfeuer kennenlernen kann. Vieles entsteht spontan und wird improvisiert, was ich viel besser finde als die großen, perfekt durchchoreographierten Flamenco-Supershows, die man sonst in Deutschland sieht. Diese sind zwar perfekt, berühren mich aber nicht emotional.

Antonio, der in Berlin sein eigenes Studio eröffnet, hatte ein tolles Debüt in Raum Rhein/Main. Er ist sympathisch, nimmt sich auch viel Zeit für die Fragen der Anfänger. Seine Körpertechnik ist eindrucksvoll und ich bin schon gespannt, wie er sich tänzerisch entwickeln wird. In diesem Sinne kann ich ihn und allen Beteiligten nur gratulieren!

P.S.: Ich weiß, dass ich mich bei dem Bericht immer auf die Tänzerinnen und Tänzer beschränke. Das Konzert begann mit einem Duett: Mariano Martín spielte Gitarre und David Huertas Bravo begleitete ihn auf dem Cajon. Und auch Frank Ihle spielte begeisterte durch sein Solo und seine Tanzbegleitung. Manuel Soto war wie immer eine Sympathiefigur, und es ist toll zu sehen, wie er jedes Jahr besser wird.

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Sonntag, 15. August 2010
Keine Nubbelbrennung
Ich überlegte lange, was ich von der Garrotin halten sollte. Antonio sagte es so treffend: Wenn man ein Accessoire hat, dann muss man ihm eine Bedeutung verleihen, und das fällt mir schwer.

Zuerst wollte ich den Hut nach dem Kurs in einem wütenden Zapateado zerstampfen. Dann habe ich beschlossen, ihn stolz zu behalten und zu präsentieren wie der Held eines amerikanischen Action-Films, der die Narbe von einem Kampf mit einem erlegten Alligator stolz präsentiert. Aber verliere ich den Hass auf den Hut - aber es wird mein erster und letzter Tanz mit Hut sein.

Für die Nicht-Rheinländer muss ich noch mal erkären, was ein Nubbel ist: Ein Nubbel ist ein Sündenbock, den man nach den tollen Tagen verbrennt: http://de.wikipedia.org/wiki/Nubbel

Dennoch hat der Kurs viel gebracht. Es ist immer ein gutes Training für die Aufnahmefähigkeit und ich habe eine tolle Abschlussllamada, die ich für die Farruca benutzen werde. Man reißt das Knie hoch und macht dem Standbein einen Tacon und rutscht nach vorne. Dasselbe macht man mit dem anderen Bein und schließt dann ab.

Auch der Übergang zum Tangos hat mir gut gefallen und mich inspiriert. Und ich bekam die Gelegenheit, noch mal über das Thema „Wie tanzt ein Mann“ nachzudenken: http://flamenco.blogger.de/stories/1679608/ Antonio tanzt in seinem Kurs oft die Bewegungen der Frauen, aber auf der Bühne hat er einen anderen Stil: Sehr elegant, aber maskulin, was man oft an den gestreckten Fingern und auch den gestreckten Beinen beim Markieren sieht. Gestern bei der „Noche de Guitarra“ habe ich über das Thema „Wie tanz der Mann“ diskutiert und meiner Ansicht sind auch die fortgeschrittensten Schülerinnen oft blind beim diesem Thema. Sie sind oft fixiert auf die tiefen Kniebewegungen. Natürlich arbeitet man beim Flamenco immer etwas in den Knien, weil man damit beweglicher ist und auch verhindert, dass der Kopf sich vertikal bewegt statt auf einer Ebene zu bleiben. Bei den Frauen ist das extrem, weil man damit weiche Hüft- und Körperbewegungen hinbekommt. Beim Mann sieht das in den meisten Tänzen tuntig aus und wirkt bei Männern fast nur beim frivolen Tangos.

Ich werde die Damen mal darauf ansprechen beim heutigen Abschlusskonzert im Frankfurter Hof. Wenn ich Recht habe, dann ist es so, dass meine These richtig ist: Viele fortgeschrittene Schülerinnen haben für männlichen Tanzästhetik wenig Verständnis. Und weil die Lehrer auch oft nur Frauenbewegungen tanzen, um es den Frauen einfach zu machen, erlernen sie das auch nicht.

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Samstag, 14. August 2010
Peña Buleria auf Facebook
Ich habe vor kurzem eine Facebook-Gruppe für den Verein Peña Buleria gegründet: http://www.facebook.com/group.php?gid=124856434222738

Ihr findet da eine Übersicht über Veranstaltungen aber auch Bilder und Diskussionen. Macht doch mit!

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Freitag, 13. August 2010
Männer sollen tanzen wie Männer!
Mich ärgert es immer, wenn in Kursen männliche Dozenten beim Flamenco die typischen Bewegungen der Frauen machen. In Anfängerkursen kann ich das verstehen, denn oft tanzen nur Frauen, die die Flamenco-Ästhetik erlernen: Die subtile Erotik der Hüftbewegungen, die Arbeit mit dem Rock, der ausgeprägte Braceo. Ab der Mittelstufe ist das aber nicht mehr nötig: Man entwickelt seinen eigenen Stil, besucht spezielle Kurse für Körpertechnik, eventuell sogar die Kurse spezieller Dozenten, deren Stil man toll findet – kurz man fängt an zu experimentieren.

Für mich als Mann brauche ich dringend männliche Vorbilder, tanze aber fast nur bei Frauen, die mir in und wieder Tipps geben. Und wenn dann mal männliche Dozenten auftreten, zeigen sie oft nur typische Frauenbewegungen. Aber wieso? Wieso tanzen sie nicht, wie sie in einer Vorführung in ihrer eigenen Art den Palos interpretieren würden?

Das hätte viele Vorteile: Es sieht erstens sicherlich besser aus. Männer können einen typischen männlichen Stil entwickeln und auch Flamenco-Lehrerinnen lernen den typischen männlichen Stil besser kennen.

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Donnerstag, 12. August 2010
El Rei - ein Bericht vom Flamencosommer
Der König der Alegria – so wird Fernando Galan genannt, und diesen Titel hat er zurecht verdient. Das Auftaktkonzert des Flamencosommers war ein Hit. Ich konnte auch die Siguiriya in Perfektion sehen, die Fernando unterrichtet hat: http://flamenco.blogger.de/stories/1676187/

La Noche de Mujeres

Die drei Mujeres de Jerez zusammen mit ihrem Gitarristen habe ich einen Tag vor dem Auftritt vom Flughafen abgeholt. Dort holten sie noch im Bahnhof die Gitarre raus und spielten. Und genauso fröhlich und mit Begeisterung war das Konzert: Rumba, Bularias, Tangos wie auf eine Feria in Jerez! Und als Gaststars traten Fernando und Manuel Soto auf. Fernando sang das berühmte Aire seines Onkels José Mercé http://www.youtube.com/watch?v=noWCwyVkBNk - aber besser.

Am Ende wurde ich auf die Bühne gelockt – und musste als erster bei der Schluss-Buleria tanzen. Drei Schritte und dann war ich auf der Bühne. Ich markierte den Rhythmus, dann kam eine Llamada und dann schnell der Abgang – kurz und knackig. Und es gefiel den Leuten, ob oder weil (?) ich schon zwei Rioja getrunken habe. Aber es schien den Zuschauern dennoch gefallen zu haben.

Es war ein Experiment – einen solchen Akt ins Unterhaus zu holen, und es hat geklappt.

El Garrotin

Schrecklich. Hut auf, Hut ab – das ist nichts für mich. Dazu diese penetrant fröhliche Musik. Nein, nein, nein – ich buche es ab unter Flamenco-Allgemeinbildung. Der Tänzer „El Portugues“ ist hervorragend, tanzt für meinen persönlichen Geschmack zu elegant, vielleicht zu perfekt: http://www.antoniodias.de/de/performance.html .

Der Workshop ist sehr gut aufgebaut, denn er gut auf die Struktur ein, den Gesang und die Llamada und Remates. Das hilft sehr, wenn man einmal Live tanzen will. So muss Unterricht sein! Als Lehrer ist er sehr gut. Ich würde ihn gerne mal in einem reinen Männerkurs sehen, in dem er genau auf den Stil der Männer eingeht.

Fazit

Der Flamencosommer ist ein voller Erfolg. Sehr gute Dozenten, Top-Konzerte und begeisterte Teilnehmer.

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Freitag, 6. August 2010
„Le Seguiriya se canta...“
Zuerst war ich skeptisch, ob ich den Siguiriyas-Tanzkurs bei Fernando Galan buchen sollte. Zwar ist er ein toller Tänzer und Lehrer, jedoch wollte ich eher die fröhlicheren Tänze lernen wie z.B. die Solea por Buleria, die aber auf Fortgeschrittenen-Niveau angeboten wurde.

Die erste stunde hat meine Erwartungen übertroffen. Er übte den Rhythmus, dann ging es in den Tanz: Beginn, Markieren, Llamada und einen Remate. Er korrigierte unsere Fehler und ging insbesondere auf meinen Haltungsfehler ein.

Später kam noch Manuel Soto hinzu, der hinreißend sang – es war nur ein Satz, der er immer wiederholte, es begann immer melancholisch und wurde immer lauter und eindringlicher, bis es fast ein klagender Schrei wurde. Sofort setzt der Tänzer ein „antwortet“ durch eine Llamada. Diese is aber nicht zart und leiser, sondern schnell, laut und endet mit wuchtigen 3 Chaflans – ein wuchtiger und imposanter Beginn. Es geht weiter bis zum Remate, der „Verschnaufpause für den Sänger“.

Es war eine Seguiriya im traditionellen Stil, wo Gitarrenspiel, Gesang und Tanz perfekt aufeinander abgestimmt sind. Ich habe ja schon einmal eine Siguiriyas in Koblenz getanzt und wenn ich beides vergleiche, ist diese hier besser, weil sie den eigenartigen, „kopflosen“ Rhythmus so betont. Die andere Siguiriya hatte auch ihre Steigerungen, war für meinen Geschmack viel zu zart.

Zusätzlich kommt auch hinzu, dass sie nach Musik von der CD getanzt wurde. Hierbei muss erklärt werden, dass die allermeisten der CDs eigentlich schlecht die Struktur des Tanzes wiedergeben, was viElleicht daran liegt, dass Tänzer und Sänger sehr im Vordergrund stehen. Die Folge ist, dass in vielen deutschen Tanzschulen die Choreographien nicht an die Musik und somit nicht an die klassische Struktur halten. So entsteht ein schöner Tanz, aber die Schüler werden nicht in der Lage sein, frei mit einem Gitarristen zu arbeiten. Und genau diese Lücke füllen die Workshops aus. Der Flamenco-Sommer hat begonnen!

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Dienstag, 3. August 2010
„Echte Volkskunst“ - Spanischer Abend in Mainz während der NS-Zeit
Bei historischen Recherchen stieß ich auf einen Zeitungsartikel des „Mainzer Anzeigers“ vom 30.12.1937. Die Tänzerin Manuela des Rio tanzte dort mit einer Gruppe diverse Tänze das klassischen spanischen Balletts und auch Flamenco.



Ich dokumentiere hier den Konzertbericht. Es lustig zu lesen, wie auch die exotischste Musik als „echte Volkskunst“ und damit wertvoll im Sinne der NS-Ideologie beurteilt wird. Selbst der Tangos ist „reinsten Stiles“ und nicht vergleichbar mir dem gleichnamigen modernen Gesellschaftstanz, dem es an „volkhafter Echtheit“ mangele und der „zurecht abzulehnen“ sei.

Spanische Nationalmusik. Manuele des Rio tanzte in einer KdF-Veranstaltung

In der ganzen Welt sind spanische Tanzrhythmen verbreitet. Wir Deutsche kennen sie seit Jahrhunderten in der „Sarabande“, der „Folia“, dem „Boléro“ – wir kennen die Oper „Carmen“ mit der berühmten „Segeduilla“, aber auch die modernen Gesellschaftstänze „Tango“, „Fandango“ und „Jota“. Die drei letzten Tänze sind unserer Art angepasst und haben fast nichts mehr mit den echt spanischen Originalen gemein. Sie werden daher mit Recht abgelehnt. Wie wunderbar sind sie jedoch in volkhafter Echtheit. Durch das Geklapper der Kastangnetten oder bei den Tänzen mit arabischem Einschlag durch kleine Glöckchen (Chinchines) von den Tanzenden selbst mitbegleitet, steht der Rhythmus im Vordergrund. Zugleich charakterisiert der jeweilige Rhythmus die jeweilige Landschaft, in welcher der Tanz als Volkstanz beheimatet ist.

Der Deutschen Arbeitsfront AEG „Kraft durch Freude“ gebührt Dank, dass sie uns einen eine nationale Kunst vermitteln ließ, denn der Tanzabend Manuela del Rio war echte Volkskunst von feinem künstlerischem Instinkte geleitet und von delikatesker Ausarbeitung der Detail durchdrungen. Die bekannte Tänzerin fesselte in Solo-, Paar- und Triotänzen und hat auch die Partner Mercedes Leon Albanodejuniga geschickt gewählt. Man freute sich dieser rassigen, von ausgefeilten Bewegungen künstlerisch gestalteten echten und stilisierten Darbietungen. Es wurden fortwährend Wiederholungen gefordert. Namentlich die grotesken Szenen aus dem spanischen Volksleben der verschiedenen Provinzen gefielen außerordentlich. Solistisch zeigte sich Manuela del Rio in einem poetischen Tanzgedicht von Isaac Albeniz in einem Intermezzo der Oper „Goyescas“ von Enrique Granados. Ursprünglich eine Klaviersuite, die der Komponist zur Oper umwandelte, liegen ihr Anregungen nach Gonas phantasievollen Szenen des spanischen Volksleben zugrunde, von der Tänzerin in Kostüm und Gebärde plastisch vermittelt. Ein „Danza Mora“ mit arabischem Einschlag bewies in Handbewegungen stark maurische Einflüsse, denn es gibt gibt Kulttänze, die sogar nur mit den Fingern „getanzt“ werden. Die Ballet-Suite aus „Liebeszauber“ von Manuel de Galla gab zu ausgiebiger mimischer Entfaltung Anlass. Sehr schön,. Mit reizenden Fußbewegungen war aber auch der Tanz nach „Volksmethodien“ den Mercedes Leo brachte, sowie ein Tango reinsten Stiles von Antonio de Zuniga getanzt. In einem Zigeunertanz zur Guitarre erntete Manuel de Rio ganz besonders Anerkennung.

Wie die gesamten Tänze in präziser Choreographie verliefen, so führten auch die Instrumentalisten ihre Darbietungen hervorragend aus. Javier Alonso ist ein glänzender Begleiter und Solist, der überaus schwierige Klavierstücke von Albeniz, des spanischen Liszt, von Infante Turina und Larregla gepflegt und musikantisch vermittelte. Ebenso muss man dem ausgezeichneten Guitarre-Spieler Joacin Roca für fein melodisches, mehrstimmiges und akkordlich vollgriffiges Spiel Bewunderung zollen. Die Kostüme waren reizend und namentlich die echten spanischen Bauerntrachten wertvoll bestickt. Sämtliche Künstler ernteten rasende Beifallsstürme.

Dieser Abend war von wirklichem Können getragen. Er hätte aber in einen anderen Raum gehört. Da Podium des Liedertafelsaales mit den klaffenden, sehr unsicher zu ziehenden Vorhängen (sofern man überhaupt von „Vorhängen“ reden kann) wirkte wie die Bühne einer Vorstadtschmiere. Die Scheinwerfer stören auf allen Plätzen (und das nicht nur an diesem Abend). Rechts und links schauen die Ecklogen über dem Podium heraus und die „spanische“ Wand macht einen sehr fragwürdigen Eindruck. Das lächerliche Quietschen des Flügels beim Verschieben wäre durch einen Tropfen Öl zu vermeiden, da er ja auf Rollen läuft. Rein gestimmt war er auch nicht. Völlig unklar aber ist, warum zwischen dne einzelnen Nummern das Licht nicht eingeschaltet wurde, denn man möchte doch laut Vortragsfolge orientiert sein, was man sieht und hört. Leni Dürauer)




Die Tänzerin Manuela del Rio trat auch auf anderen deutschen Bühnen während der NS-Zeit auf: http://theater-weiden.de/downloads/magisterspielplaenechronologisch.pdf Es wäre interessant, auch hier die Konzertberichte auszuwerten.

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